Max Linder.

 

 

 

    Wie ein König des Films, wie ein Clown des Films, wie ein Tragiker des Films hat Max Linder sich und seine Frau im Hotel Baltimore zu Paris umgebracht. Kaum vierzig Jahre ist er alt geworden. Eben, als er so weit gelangt war, im Monat eine ganze Million Francs zu verdienen konnte er seine Lebensschwermut nicht überwinden, und er machte Schluß. Auf phantastische Art, so wie es sich eigentlich für einen Star von seiner Bedeutung gebührte. Erst berauschte er sich mit seiner Frau am betäubenden Gifte. Als ihre Willenskräfte nicht mehr ausreichten, um der Sehnsucht nach dem Ende zu widerstehen, zog Max Linder ein kleines, sehr scharfes Messerlein aus dem Etui, das der Manikurapparat seiner Frau enthielt. Gerade dort, wo das Blut am stärksten strömt, wenn ihm der Weg eröffnet wird, schnitt er zu. Max Linder und seine junge Frau, die Mutter seines kleinen, dreijährigen Kindes, wurden röchelnd aufgefunden, ehe die Aerzte es hindern konnten, hatten sie ihren letzten Atemzug getan.

    Hundert Frauen wollten ihn heiraten. Hundertausend Frauen wollten ihn nur lieben. Er nahm wenig von all diesen Anträgen an und entführte nur ein kleines, achtzehnjähriges Bürgermädchen von Paris, Fräulein Peters, daß er abgöttisch liebte. Während die Welt ihn umschwärmte, hütete er dieses kleine Mädchen wie der eifersüchtige Othello. Ständig quälte er die Gattin, die gar nicht daran dachte, ihm untreu zu werden, mit seinen Vorwürfen und Verdächtigungen. Um seine Leidenschaft zu zügeln, spritzte er Morphium, schluckte er die gefährlichsten Gifte. Auch das genügte nicht, um ihm Frieden zu schaffen, und so machte er eben mit Gewalt Frieden. Die Gattin aber, sein höchstes Glück und seine schrecklichste Qual, sollte mit ihm in das Jenseits weggehen. Das Ende eines Clowns, eines tragischen Clowns. Hugo. (8 Uhr-Abendblatt, 2.11.1925)