Max Linders Heirat

Der Roman des Kinohelden

 

  Die Heirat des vielgefeierten Schwerenöters Max Linder, der kürzlich zum Leidwesen seiner ungezählten Anbeterinnen in Paris einer siebzehnjährigen Schönen angetraut wurde, hat einen Roman zu glücklichem Ende geführt, dessen romantische Episoden förmlich nach dem Film schreien, zumal, da das Stück ja auch im eigentlichen Sinne des Wortes seinem Helden auf den Leib geschrieben ist. Vor einigen Monaten brachten die Blätter den Bericht über einen Automobilunfall, dessen Opfer der schöne Max während seines Aufenthalts in Nizza geworden war. Er hatte, wie stets, seinen Wagen selbst gesteuert und mit so rasender Schnelligkeit die Promenade des Anglais durchfahren, daß er, als ihm ein Insekt ins Auge flog, die Gewalt über das Steuer verlor, so daß das Auto auf den Bürgersteig rannt, sich hier überschlug und den Fahrer unter sich begrub. Zum Glück für die Kinowelt kam Max Linder mit einer leichten Verletzung davon. Drei Wochen später las man in den Zeitungen eine neue Notiz, die vermeldete, daß Max Linder eine schöne junge Dame von siebzehn Jahren entführt hatte. Es handelte sich um ein junges Mädchen aus der besten Pariser Gesellschaft, namens Helene Peters, in die sich Max sterblich verliebt hatte. Da die Familie, wie in jedem besseren Filmdrama, absolut nichts von einer ehelichen Verbindung der Beiden wissen wollte, so war der abgewiesene Freier des Lebens überdrüssig geworden. Die Geschichte mit dem Insekt, das ihm ins Auge geflogen war, stellte sich als schämige Umschreibung der bitteren Wahrheit heraus, daß Max in einem Augenblick der Verzweiflung sich auf diesem Wege aus der Welt stehlen wollte. Der Automobilunfall war demnach nichts weiter als ein Selbstmordversuch. Nachdem dieser vorbeigelungen war, kam Max auf den glücklichen Gedanken, die Schöne einfach zu entführen, ein Gedanke, der ihm freilich auch etwas eher hätte einfallen können. Da die Erkorene seines Herzens gegen die Entführung nichts einzuwenden hatte, ging die Sache programmäßig vor sich. Aber nach wenigen Tagen schon wurde das Pärchen in Lyon entdeckt, und die junge Dame mußte tränenden Auges den Rückweg ins Vaterhaus antreten. Aber ein Drama, dessen Held ein Max Linder ist, kann ja nur einen guten Ausgang nehmen. So geschah es auch hier; die Eltern gaben, wenn auch seufzend, schließlich ihre Einwilligung zu der Verheiratung der beiden. (Berliner Volks-Zeitung, 21.8.1923)