Max Linder als Redner

 

 

 

   Das war eine zweite Sensation der Pariser Filmwelt der vorigen Woche: Max Linder hielt in einer Versammlung von Filmschauspielern, Filmunternehmern und Journalisten eine "große" Rede, in der er über seine amerikanischen Erlebnisse und Erfahrungen Bericht erstattete und die französischen Filmer ermunterte, durch die Überlegenheit in künstlerischer Qualität die Macht des Dollars auch im Bereiche der Filmindustrie zu brechen. Er verwies auf das naive, Kindische, Primitive im amerikanischen Film, der gegenwärtig zweifellos einen Siegeszug durch die ganze Welt macht. Die erstaunlichen Leistungen der Hollywooder Filmakrobaten, die wundervollen Naturaufnahmen üben unleugbar große Wirkung auf das, leider, zu anspruchslose Publikum der Kinos aus; wenn man aber dieses Publikum zu höherem, zu wahrem Kunstgenuß erzieht, dann sei der Sieg des feinen, geistreichen, interessanten französischen Films gewiß. Max Linder machte in seine Rede den Vorschlag, die Regierung zu ersuchen, die Aufführung amerikanischer Filme in Frankreich zu untersagen, falls die amerikanischen Filmunternehmer sich der Popularisierung des französischen Films in Amerika verschließen. (Die Bühne, 27.11.1924)