Noch einen weiteren Verlust hat die Kinokunst zu beklagen, wenn sich die folgende Meldung des Berliner Tageblatts vom 23. September bezw. des Pester Lloyd bestätigen sollte, die wir hier anschließen.

   "Der Kinoschauspieler Max Linder gefallen.

    Der berühmte Kinoschauspieler Max Linder, die Stütze der Pariser Firma Pathé frères ist, wie der Pest. L." mit Bestimmtheit melden zu können glaubt, bei den Kämpfen in Belgien gefallen. Linder war in Deutschland geboren, besaß aber die französische Staatsbürgerschaft und wurde einem Regiment eingereiht, das mit den Belgiern vereint gegen die Deutschen kämpfte. Max Linder war der höchst bezahlte Schauspieler der Welt, und in der Blütezeit der Lichtspieltheater auch der beliebteste. Ein neuer Max Linder-Film war lange Zeit auch für das Berliner Kinopublikum sozusagen ein Ereignis. Linder, von Hause aus Artist, war ein Humorist ersten Ranges und trat auch im Berliner Wintergarten in einem Sketch auf."

    Man wird die Bestätigung dieser Nachricht abwarten müssen. - An der Bahre verstummt jedenfalls der Streit der Völker, und wenn wir auch lebhaft bedauern, daß Max Linder gegen uns, gegen Deutschland, das Land, in dem er seine größten Erfolge erzielt hat, zu kämpfen gezwungen war, so bedauern doch auch wir seinen Tod, weil dieser einen herben Verlust für unsere Kunst bedeutet. Und die Kunst - alle Künste - bleibt ja auch in diesem Ringen der Völker, was sie stets war, neutral und international! (Erste Internationale Film-Zeitung, 26.9.1914)