Übersetzung in portugisisch

 

 

 

Max Linder in Berlin

 

 

Erste Internationale Film-Zeitung, 24. Jan. 1914:

   Nachdem der unvergleichliche Max auf seiner europäischen Tournee im Riesentheater von Son (St. Petersburg) in der eigens für ihn geschriebenen Operette “Die Macht der Liebe” und in einem Einakter, in dem er als Tangotänzer auftrat, einen sensationellen Erfolg gehabt, können wir heute seinen jüngsten Besuch in der deutschen Reichshauptstadt registrieren. ...

 

   

 

Lichtbild-Bühne, 31. Jan. 1914:

   Die von der Firma Pathé frères & Co. herausgegebene "Pathé-Woche" schreibt über den jüngsten Besuch des berühmten Kino-Darstellers in der Reichshauptstadt folgendes: ...

 

  

... So sah man ihn vor einigen Tagen vormittags gegen 11 Uhr mit seinen Operateuren die Richtung nach dem Schlosse einschlagen und vor dem Dome eine kurze komische Szene spielen. Im Verlauf weniger Minuten war hier eine große Menschenmenge zusammengeströmt, um den eleganten Max in Wirklichkeit agieren zu sehen. Nachdem er sich mit Mühe der ihm dargebrachten Ovation entzogen hatte, begab er sich nach dem Café Bauer, wo er an der Ecke Friedrichstraße und Unter den Linden im "Eifer des Geschäfts" sich in drastischer Weise in das Wagengewühl hineinspielte, und u.a. auch den Unwillen eines Vertreters der hohen Obrigkeit hervorrief, da Max in seinem komischen Intermezzi nahe daran war, sich von einem Auto scheinbar überfahren zu lassen. Von neuem umstand eine Menschenmenge unseren Komiker par excellence, und von allen Seiten kreuzten sich die Fragen und Antworten: "Ist das Max Linder?" "Natürlich, wie können Sie nur fragen, so kann nur Max Linder spielen!"

   Nachdem Max vor dem Café Bauer seine Szenen fertig gespielt, der Schutzmann sich beruhigt und die Menschenmenge ein Hoch auf den Kinokönig ausgebracht hatte, ging die Fahrt weiter bis zum Brandenburger Tor, wo Max neue komische Zwischenfälle hervorrief, indem er im Verlaß auf seine "Unwiderstehlichkeit" zwei des Weges kommende ältere Damen zu küssen versuchte, was diese natürlich mit großer Entrüstung zurückwiesen! Der Mann am Kurbelapparat lächelte diskret, denn gerade dieser zurückgewiesene Kußversuch hatte den gewollten Effekt im Film ergeben. Der galante Max brachte bei den in aller Harmlosigkeit überfallenen Damen die nötigen Entschuldigungen vor, machte dann vor dem Reichstaggebäude Halt, mimte hier eine neue komische Szene, ging hierauf die Siegesallee herab und blieb dann plötzlich vor einer Amme stehen, um eine seiner originellen Liebeserklärungen anzubringen. Aber auch hier stieß er auf starken Widerstand, was ihm für das Gelingen des neuen Films, der diesmal unmittelbar aus dem Leben genommene Szenen bringen wird, beste Garantie bot! So war es ganz verständlich, daß sich Max bei der empörten Amme für deren abweisende Haltung noch warm bedankte.

   Der schöne und elegante Max, der auf dies Weise während einiger Stunden in Berlin Sensation gemacht und besonders die von ihm "angemimten" Damen in einen süßen Schreck versetzt hatte, ist mit dem Erfolg seines "Berliner Straßengastspiels" trotz der vielen Körbe, die er erhielt, sehr zufrieden! Wir andern können uns auf den neuen Linderfilm, der alle die hiergeschilderten Szenen enthalten wird, wohl ganz besonders freuen. (Pathé Woche, Berlin)