Filmgrößen in Wien.

Max Linder-Arlette Maréchal-Faul Feiner.

 

Wien, 29. November.

  Wien ist derzeit ein Sammelpunkt der Kunst. Eine Reihe von namhaften Künstlern sind in Wien und jetzt kommt auch Max Linder, der berühmte französische Filmkomiker, der das Wiener Publikum schon in vielen Filmen von seiner hinreißenden Komik überzeugt hat. Er hätte schon am Donnerstag abends mit dem Orientexpreß auf dem Westbahnhof ankommen sollen, doch laut einem Telegramm reist er erst heute mittags von Paris ab und wird voraussichtlich morgen abends hier eintreffen.

   Max Linder soll bei der Vita-Filmgesellschaft unter Regie des bekannten französischen Regisseurs Renée Hervil aus Paris in dem großen Lustspielfilm “Der Clown aus Liebe” filmen. Es ist ein großer Zirkusfilm voll komischer Komplikationen. Man wird unter andern Max Linder im Kampf mit Löwen sehen können. In den ersten Tagen des Dezembers soll im Atelier der Vita-A.-G. in Mauer bereits zu kurbeln begonnen werden. Max Linder bleibt den ganzen Winter über in Wien, da er bereits für einen zweiten Vitafilm verpflichtet ist.

   Merkwürdig ist, daß die übrigen Darsteller noch nicht bestimmt sind. Als Partnerin Max Linders hat man zwar ein überaus hübsches Wiener Mädel in Aussicht, das bis jetzt noch unbekannt ist, doch ist es noch sehr fraglich, ob Max Linder mit ihr als Partnerin zufrieden sein wird.

   Ein zweiter berühmter Gast ist die schönste Filmdiva aus Paris Arlette Maréchal, die mit dem Regisseur Jacques Feyder, der schon durch seinen Film "Atlantis" in Wien bekannt ist, von der "Vita" verpflichtet wurde.

   Es soll ein großer Film "Das Bildnis" gedreht werden, in dem Arlette Maréchal die Hauptrolle hat.

   Die dritte Filmgröße ist der bekannte Regisseur Peter Paul Feiner, der in den letzten Jahren in Paris und Berlin tätig war. Er ist von der Veritas-Film-G.m.b.H. nach Wien verpflichtet worden. Paul Feiner ist durch die Inszenierung der Monumentalfilme: "Der Graf von Essex" und "Der Kaufmann von Venedig" berühmt geworden. Wie wir erfahren, beabsichtigt Feiner in der nächsten Zeit einen großen, modernen Film in Wien zu inszenieren.

   Die Wiener werden also jetzt Gelegenheit haben, berühmte Filmgrößen, die sie bisher nur von der flimmernden Leinwand her kennen, in natura zu sehen. (Neuigkeits Welt-Blatt, 30.11.1923)