Kino Sterne

Aus dem Reiche der großen Gagen.

(Originalbericht des “Neuen Wiener Journals”.)

 

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   Den Rekord hält wohl Max Linder, der seinerzeit so beliebte Pariser Kinokomiker. Der gute Mann hatte noch vor ungefähr zehn Jahren als bescheidenes Mitglied eines Pariser Boulevardtheaters eine Monatsgage von 300 Frank bezogen. Und diese Gage entsprach seinem künstlerischen Können auf der Bühne. Dann “entdeckte” ihn eine der führenden französischen Filmfabriken, bald war er der populärste Komiker der stillen Kunst, der Kinokomödien. Sein Talent kam erst in der Pantomime zum Ausdruck. Linder bezog im Jahre 1913 fast 40.000 Frank monatlich für seine Tätigkeit bei den Filmaufnahmen, - also nahezu eine halbe Million im Jahre. Dazu verwertete er seine Popularität noch recht einträglich durch Gastspiele in Variététheatern, in denen er höchst persönlich in Sketches auftrat, die mit Kinobildern verbunden waren. Der Schreiber dieser Erinnerung fungierte Anfang 1914 als Dolmetsch bei Verhandlungen, in denen es sich darum handelte, Max Linder für ein Wiener Variété zu engagieren. Auf eine Monatsgage von 75.000 Kronen hatte man sich bereits geeinigt, nur einige Nebenfragen verzögerten damals den Abschluß. Kurz darauf erhöhte der verwöhnte Kinoliebling seine Ansprüche. Der Ausbruch des Krieges entzog dann diesem Kinostar die Möglichkeit, das nun so feindliche Ausland seinen großen Taschen tributär zu machen.

   Nächst Max Linder, der übrigens nicht, wie es hieß, ins Feld gegen die Boches zog, sondern in Paris fleißig filmt (“Max im Schützengraben” usw.) dürfte wohl der früh verstorbene W. Psylander die höchsten Gagen erzielt haben. Er und seine Landsmännin Asta Nilsen breiteten ihre Beliebtheit beim Stammpublikum der Kinos bekanntlich auch durch Gastspiele in den Variététheatern kräftig aus. Mit wechselndem Erfolge übrigens.

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S. v. M. (Neues Wiener Journal, 1.1.1918)