(Eine Klage gegen Max Linder.) Vor dem Bezirksrichter in Handelssachen Dr. Kaster gelangte gestern eine Klage zur Verhandlung, welche der Theateragent Alfred Balter gegen den derzeit bei Ronacher gastierenden französischen Schauspieler Max Linder eingebracht hatte. Wie die von Dr. Samuely vertretene Klage ausführte, hatte Balter dem Beklagten auf dessen Wunsch an das Londoner Hippodrom am 26. Juli ein vierzehntägiges Engagement vermittelt, wofür eine Summe von 10.000 Kronen bedungen war. Die auf Herrn Balter entfallende Provision hätte demnach 1000 Kronen betragen. Das Engagement war bereits abgeschlossen, als Herr Linder den Agenten verständigte, daß er zur vereinbarten Zeit in London nicht auftreten könne, da er eben ein Engagement nach Barcelona abgeschlossen habe. Die eingebrachte Klage fordert nun von Herrn Linder die Bezahlung von 1000 Kronen Agentenprovision. Der Verteidiger des Beklagten Dr. Mück wandte in erster Linie die örtliche Inkompetenz des Gerichtes ein, da Paris der ständige Aufenthaltsort des Herrn Linder sei. Sollte das Gericht aber dieser Ansicht nicht beistimmen, würde er bitten, die Verhandlung nach dem Code civile, also nach französischem Recht, durchzuführen, da beide Prozeßteile Ausländer seien und der Erfüllungs- und Abschlußort des Engagementsvertrages in Frankreich liege. In meritorischer Hinsicht bestreitet Dr. Mück den Abschluß beziehungsweise den Aufrechtbestand des vorgelegten Engagementsvertrages. — Der Richter lehnte die Einwendung örtlicher Inkompetenz ab, beschloß aber, dem zweiten Antrag stattzugeben und die Verhandlung nach französischem Recht durchzuführen. Hierauf wurde die Verhandlung zur Vorlage der zwischen beiden Parteien gewechselten Originalkorrespondenz vertagt. (Neues Wiener Journal, 27.11.1912)