Pfändung des Filmschauspielers Max Linder.

 

 

 

    Der zurzeit in Budapest gastierende bekannte Filmdarsteller Max Linder wird hier vom Mißgeschick verfolgt. Vor kurzem hatte er, wie wir meldeten, ein Abenteuer mit einer Dame zu bestehen, die ihn fälschlich als ihren Gatten mit Beschlag belegen wollte. Gestern wurde Herr Linder im Hotel Ritz, wo er wohnt, von dem unangenehmen Besuch eines Gerichtsvollziehers überrascht. Linder wurde, da er ein Gastspiel nicht angetreten hatte, von einem Impresario auf Zahlung von 1000 Kronen Pönale verklagt [->KR,12.1.13]. Als Linder kürzlich in Wien weilte, hatte er eine gerichtliche Vorladung erhalten, ihr aber nicht Folge geleistet, weil er sich dringend nach Budapest begeben mußte. Hier wurde er nun durch einen Exekutor, einen Advokaten und dessen Gehilfen um 8 Uhr früh im Hotel überrascht. Linder, der weder Deutsch und Ungarisch versteht, war ganz sprachlos und hatte auch kein Geld, da er seine Gage mittels Scheck verrechnet. Demzufolge wurde eine Leibespfändung vorgenommen und sein Schmuck im Werte von etwa 20000 Kronen gepfändet und sofort mitgenommen. Durch Intervention des hiesigen französischen Konsulats erhielt Linder seine Juwelen zurück, nachdem er die 1000 Kronen Pönale und die Kosten bezahlt hatte. (National-Zeitung, 23.11.1913)