Die Mitarbeiter des Hauses Pathé Frères.

 

Max Linder, der Totgesagte.


 

    Max Linder ist der König im Reiche des Kinematographen. Die zahlreichen Besucher der Kinotheater selbst haben dem beliebten Schauspieler diesen Namen gegeben, da Linder trotz seiner Jugend, er zählt erst 26 Jahre, bereits seit einer Reihe von Jahren frohes Lachen und stürmische Heiterkeit, dank seiner virtuosen Komik im Spiel, an seine Fersen geheftet hat.

   Max Linder oder besser gesagt Max, wie man ihn familiär im Kino nennt, hat eine ruhmreiche Vergangenheit hinter sich, teils als Schauspieler, teils als Schriftsteller.

   Mit dem ersten Preis für Komödien im Konservatorium zu Bordeaux ausgezeichnet, debutiert Max im Jahre 1902 im Ambigu-Theater zu Paris, tritt nachher ins Théâtre Réjane ein, und wird später im Théâtre des Variétés engagiert, in welchem er unter Anderem "Miquette und ihre Mutter" und weiters "Der König" kreiert.

   Im Jahre 1905 engagiert ihn das Haus Pathé Frères, welches das hervorragende Talent Linders erkannt hat und seit dieser Zeit hat Max nicht aufgehört für Pathé tätig zu sein, welches Haus sich durch Kontrakt die ausschließliche Tätigkeit des ungemein beliebten Künstlers gesichert hat.

   Max ist tatsächlich ein vortrefflicher Schauspieler für den Kinematographen.

   Nichts ist ihm in der Interpretierung eines Kinostückes zu schwierig; nach einer die größten Feinheiten bergenden Szene, bringt er die tollsten ungeheuerlichsten Akrobatenstücke zuwege.

   Das Haus Pathé Frères macht mehr, als alle großen Artisten zugewiesen verlangen. Denn Pathé lässt dieselben selbst Stücke schreiben, in welchem jeder von ihnen in der ihnen am besten zusprechenden Rolle wirken kann.

    Max Linder, Autor und Schauspieler zugleich, hat dem Hause mehr als hundert Stücke humoristischen und sentimentalen Genres überliefert und in selben mit den durchschlagendsten Erfolge gespielt, wie z.B. folgende Films beweisen:

   Max sucht eine Braut, Max ist hypnotisiert, Max verfehlt eine reiche Heirat, Max und das Edelweis, Maxens Duell, Max lernt Skilaufen, Maxens Pillen, Max hat sich in der Etage geirrt, Max und der spiellustige Schwiegervater, Mein Hund ist ein Genie, Maxens Weltreise, Max als Boxer, Maxens Bad, Max als Anfänger in der Kinematographie, Max hat neue Stiefel, Max mit dem Zauberblicke, Max bleibt ledig, Max heiratet, Nachbar und Nachbarin, Max duelliert sich, Max auf dem Wege zur Genesung, Kyrelor, Bandit aus Liebe etc. etc. etc.

    Alle diese vorgenannten Bilder und noch andere, in welchem Max die entzückten Zuschauer auf das Köstlichste amüsiert, gehören zu den meistverlangten Sujets, welche in den meisten Leihprogrammen des Hauses Pathé figurieren und erklärt man sich auch den Umstand, warum immer mehr und mehr Theater sich zu den renommierten Pathé-Programmen bekennen und sich die Zahl der Anhänger in immer mehr und mehr aufsteigender Linie bewegt.

   Max, welcher eine gefährliche Krankheit glücklich überwunden hat und den eine lange Rekonvaleszenz zu dem Bedauern aller seiner Bewunderer für eine Zeit außer Gefecht gesetzt hatte, wird nun wieder Klein und Gross durch seine glänzende Komik begeistern, entzücken und belustigen, und wird diese Nachricht gewiss seitens jeden Besuchers und Freund des Kinotheaters mit Befriedigung aufgenommen werden, wie auch durch diese Mitteilung jede ausgesprengte Hiobspost von dem Tode Linders widerlegt erscheint. (Kinematographische Rundschau, 19.11.1911)

 

 

 

Anmerkung: Diese Kurz-Biographie ist eine, mehr oder weniger freie, Übersetzung des Artikels "Les collaborateurs de Pathé Frères - Max Linder", der wiederum auf dem Artikel "Les Comédiens au cinématographe - Max Linder" von Georges Fagot, erschienen am 30.7.1910 im Ciné-Journal, beruht. Es wurden leider nicht nur die Fehler unkorrigiert gelassen (Beginn seines Engagements im Ambigu war erst im Jahre 1904), es wurden auch einige Fakten, die sich auf den Juli 1910 bezogen, nicht aktualisiert. Zu den «mehr als hundert Stücken» waren seit dem Erscheinen des Originalartikels zwanzig weitere hinzugekommen und Max war inzwischen schon kurz vor seinem 28 Geburtstag. Welcher Film mit dem deutschen Titel «Max mit dem Zauberblicke» gemeint ist, konnte noch nicht geklärt werden.