Berlin. Der Kinematograph-Schauspieler Max Linder ist vor Mecheln infolge Kollision seines Militärautomobils mit einem anderen ums Leben gekommen. (Rigasche Zeitung, 14.9.1914 [russ. Kal., 1.9.14]) *

 

 

 

   Max Linder, der populäre Kinodarsteller, ist am 20. August bei Mecheln einem Unglücksfall zum Opfer gefallen. Wie aus dem Haag mitgeteilt wird, gehörte Max Linder, der aus dem Elsaß stammt, zur Landwehr und begab sich, als ihn die Nachricht von der Mobilisation in Venedig, wo er in letzter Zeit lebte, ereilte, zu den Fahnen. Er bat aber, ihn nicht gegen seine Heimat zu verwenden und wurde der Automobilkompagnie der 14. Division zugeteilt. Nachdem er schon an den Kämpfen bei Lüttich teilgenommen hatte, fuhr er am 20. August mit acht anderen Soldaten in einem Automobil nach Mecheln. Bei der Einfahrt in die Stadt stieß das Auto mit einem entgegenkommenden schweren Lastautomobil zusammen. Es wurde gebremst und Linder sprang heraus. Im selben Moment kamen von hinten noch zwei nachfolgende Automobile herangesaust und Linder geriet unter die Räder, die ihn so schwer verletzten, daß er sterbend fortgetragen wurde.

   Max Linder war, wie ein Mitarbeiter der Birsh. Wed. berichtet, ein sehr kränklicher Mensch, was den “König des Lachens” zu einem argen Pessimisten machte. Er klagte oft, daß er sich seiner schwachen Gesundheit wegen nicht die geringste Zerstreuung, nicht die kleinste Ausschreitung erlauben dürfte. Das fröhliche Lachen war ihm nur bei der Ausübung seines Berufs eigen. Im Privatleben litt er sehr darunter, daß das Publikum ihn immer als Spaßmacher betrachtete und wo es ihn begegnete, einen Ulk von ihm erwartete. So erzählte er, wie er einmal in einer Behörde, in der er zu tun hatte, von einer Schar junger Mädchen umringt worden war, die ihn neugierig und kichernd anstarrten. Er machte eine Bewegung, als wenn er sich auf einen Zylinder, der auf einem Stuhl neben ihm stand, setzen wollte. Allgemeines Halloh! Er aber lächelte gezwungen und verbeugte sich schweigend. “Und so ging es immer und überall”. (Rigasche Rundschau, 18.9.1914 [russ. Kal., 5.9.14])

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

* Bereits einen Tag zuvor, am 13. Sept. [russ. Kal.: 31. Aug.] 1914 hatte die "Jaunakàs Sinas" (/Neueste Nachrichten) berichtet: "Petrogradâ, 30. augustâ. Pehz saņemtàm siņam, pehdejâ leeļâ frantschuwahzu kaujâ kritis kinematografu karalis Maksis Linders." (/"Petrograd, den 30. August. Laut der erhaltenen Informationen, in der letzten großen französisch-deutschen Schlacht ist Film König Max Linder gefallen.")