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Lissabon - 19. – 22. Okt. 1912 - "Theatro da Republica" <<<

Wien - 15. – 30. Nov. 1912 - "Ronacher Theater"

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Neues Wiener Tagblatt, 10.11.12:

 

 

      (Max Linder in Wien.) Der in allen Weltstädten berühmte Filmdarsteller, der Liebling auch der Wiener Kinotheaterbesucher, welcher durch seine übermütigen, lustigen Streiche alt und jung ergötzt, kommt nun selbst nach Wien, wo man seine Darstellung bisher nur auf der Leinwand beklatschen konnte. Es ist der rührigen Direktion des Ronachertheaters gelungen, unter großen finanziellen Opfern diese sensationelle Attraktion zu einem kurzen Gastspiel am Ronachertheater zu bewegen. Max trifft bereits heute Sonntag zu den Vorproben hier ein, da er noch einen neuen Film, in welchem er im Ronachertheater mittels Luftballon ankommt, aufnehmen lassen muß. Er debütiert Freitag, den 15. d., und heute beginnt der Vorverkauf an allen Tageskassen. Des großen Andranges halber ist es sehr empfehlenswert, sich die Karten für diese Sensationspremiere schon früher zu sichern.

 

 

 

 

 

Neues Wiener Tagblatt, 14.11.12:

 

 

      (Max Linder in Wien.) Morgen Freitag beginnt im Ronachertheater das kurze Gastspiel des berühmten Kinodarstellers Max Linder aus Paris. Der Gast wird in dem Kinosketch "Pédicure par amour" (Liebes-Pédicure) von Armand, Massard und Max Linder die Hauptrolle, nämlich den "Liebenden Max", geben. Mit ihm treten in dem Sketch Mlle. Leonora vom Alhambratheater in London, die schönste französische Tänzerin und Schauspielerin, Mr. Delson und Mr. Vaudonne [sic.] vom Odéontheater in Paris auf. Heute Donnerstag wird Max Linder vor dem Gebäude des Ronachertheaters einen neuen Film aufnehmen, indem er selbst agieren wird. Max Linder wird morgen Freitag sowohl in der Nachmittags- als auch in der Abendvorstellung auftreten.

 

 

 

 

 

Kinematographische Rundschau, 17.11.12:

 

 

      Max Linder in Wien, der ebenso berühmte als beliebte Kinokomiker der Firma Pathé Frères, ist augenblicklich in Wien, wo er im Etablissement Ronacher in einem humoristischen Sketch alle Funken seines köstlichen Talents sprühen läßt. Die Zugkraft, die das Auftreten Max Linders auf das Wiener Publikum ausübt, beweist neuerlich, daß der Kinematograph auch für das schauspielerische Können die beste Propaganda bietet, und daß wirkliche Talente auch in der Kinokunst die Massen im Sturme erobern können. Wir werden auf das Wiener Gastspiel Max Linders noch ausführlich zurückkommen, erwähnt sei heute nur, daß der Sketch, in dem Linder auftritt, sich der "Hühneraugenoperateur aus Liebe" betitelt, höchst ergötzliche Verwechslungsszenen bringt, und daß dem Sketch eine kinematographische Linderaufnahme vorangeht, die uns die tollen Fährlichkeiten zeigen, unter denen der "heißerwartete" Linder endlich in das Ronachertheater kommt.

 

 

 

 

 

 

Wiener Zeitung, 19.11.1912:

 

 

   (Ronacher-Theater.) Gestern erschien der französische Kinoschauspieler Max Linder in einem lustigen Kinosketch. Der Ruhm dieser internationalen Größe des wortlosen Theaters führt sie jetzt wieder auf die wirkliche Bühne zurück. Herr Linder ist von einer clownhaften, dabei aber sehr eleganten Beweglichkeit. Sein Humor bedient sich einer automatenhaften Schärfe des Ausdrucks. Er spielte gestern den falschen Pedicure seiner angebeteten Freundin; das Stelldichein wird von dem Ehemann überrascht, und weil dieser von einem Hühnerauge geplagt wird, soll er an dem Mann eine Operation vornehmen. Das gibt natürlich Anlaß zu den verblüffendsten Situationsspäßen. Linder als Held des Kinos wird auch vorgeführt, und zwar in einer Reihe von Lichtbildern, die seine Abreise aus Paris und die Ankunft in Wien vorführen. Das Publikum bereitete dem Gast eine sehr freundliche Aufnahme.

 

 

 

 

 

 

Arbeiter Zeitung, 20.11.1912:

 

 

  ● Ronacher-Theater. Seit einigen Tagen tritt hier der Kinoschauspieler Max Linder auf. Linder ist den Freunden des Kinofilms angenehm bekannt, das deshalb, weil sie ihn schon hundertmal auf der straff gespannten Leinwand und zumeist in ebenso halsbrecherischen als komischen Situationen sahen. Bei Ronacher zeigt er sich aber auf der Bühne, und zwar in einem sehr drolligen Sketch: “Pedicure par amour.” Linder, dessen Komik einen grotesken Zug hat, reißt da oft zu stürmischer Heiterkeit hin. Er macht seine Sache so, als wäre sie für den Kinophotographen bestimmt, mit den für diesen Fall notwendigen sprunghaften, eckigen Bewegungen und kräftigen mimischen Künsten. Die Heiterkeit, die dem Sketch vom Verfasser her innewohnt, wird durch die eigenartige Komik Linders wesentlich gehoben. Sein Programm beginnt aber doch auch mit einem Film. Die Leinwand zeigt dem Beschauer eine Reihe von Szenen mit Linder als Hauptperson. Er hat den Beginn seiner Vorstellung versäumt und kommt durch die Eile, mit der er dem Theater zustrebt, in verwickelt-lustige Situationen. Schließlich springt er in einen eben aufsteigenden Ballon. Ueber seinem Ziele angekommen, verabschiedet er sich von dem Begleiter und läßt sich an einem Seil aus den Lüften herab. Die Pointe ist, daß der Film einer lebenden Szene Platz macht und Linder aus der Bühnenhöhe auf einem baumelnden Tau zu den Brettern niederklettert. Linder weckt mit seinem Programm stürmischen Beifall.

 

 

 

 

 

 

Deutsches Volksblatt, 20.11.1912:

 

 

   Max Linder bei Ronacher. Der berühmte Kinodarsteller Max Linder, der alt und jung aus Hunderten von Kinovorführungen bestens bekannt ist, kam nun selbst nach Wien und man kann ihn nun lebendig bei Ronacher in seiner urdrolligen Komik bewundern. Schon sein Entree ist kinodramatisch und interessant. Ein Film zeigt uns, wie der Künstler in Paris das Telegramm empfängt, raschest nach Wien zu kommen und aufzutreten. Unter allerlei komischen Unfällen macht er Toilette und eilt auf die Straße. Um rasch zur Bahn zu kommen, steigt er in ein fremdes Auto, wird aber aufs Pflaster geworfen, springt in eine Droschke, die umwirft, stiehlt ein Rad, mit dem er zu Falle kommt, um sich endlich, von Hunderten verfolgt, zerrissen und zerfetzt auf einen Luftballon zu retten, auf dem er nach Wien fährt. Man sieht ihn in den Wolken dahineilen, schon ist er über Wien, nimmt Abschied von seinem Führer und klettert auf einem Seile zur Erde nieder. Er durchgleitet die Wolkenschichten, schon ist er über den Häusern der Stadt. Da verschwindet der Film und von den Höhen der Bühne herab, als wäre es wirklich das Ende seiner Luftreise, kommt der Künstler auf einem Seile auf das Podium geklettert. Schon dieser erst ausgezeichnete Bluff machte beste Stimmung im Hause und sicherte dem Künstler einen warmen Willkomm, der nun mit gleich ausgezeichneten künstlerischen Partnern in einem lustigen Sketch “Pedicure par amour” auftritt. Gesprochen wird dabei französisch, das gesprochene Wort ist aber hier wirklich Neben[-, ]situationskomik und Mimik Hauptsache. Die Grundidee der ganzen Geschichte ist, daß sich ein überraschter Liebhaber in der Not des Augenblickes in den Pedicure seiner Angebeteten verwandelt. Der ahnungslose Gatte, der erscheint, leidet auch an Hühneraugen und nimmt die Kunst des vermeintlichen Leichdornschneiders in Anspruch. Voll Verzweiflung bearbeitet der nun den Fuß des Betrogenen mit allen möglichen Instrumenten, einer Brennschere ec., um schließlich seinem schmerzstöhnenden Opfer den Fuß zu rasieren. Die beiden Darsteller Max Linder und Herr Vaudenne [sic.] vom Odeon in Paris bringen die Komik dieser Szene in unvergleichlicher Weise zur Geltung. Madame Durand vom Alhambratheater in London ist als Geliebte und Gattin von entzückendem Pariser Charme und reizender Toilette. Prächtig und kinomäßig ist auch der erste Schluß des Stückchens, wo der betrogene Gatte mit dem Browning hereinstürmt und den Verführer zwingt, durch den Souffleurkasten zu flüchten, der in rasender Eile davonkriecht und plötzlich zur allgemeinen Heiterkeit am Dirigentenpulte erscheint. Das Stück hat aber auch einen zweiten Schluß. Da das Publikum den Pas de deux zwischen Linder und seiner Partnerin nochmals zur Wiederholung verlangt, repetiert man die letzte Szene. Wieder erscheint der Gatte, der Verführer zittert, aber der Rächer seiner Ehre kann seinen Revolver nicht finden, der Verführer ergreift eine am Tische liegende Waffe und jagt nun seinerseits den Ehemann in die Flucht. Die heitere Sache fand stürmischen Beifall, ebenso das andere vorzügliche Programm.

 

 

 

 

 

 

Neues Wiener Journal, 20.11.1912:

 

 

    (Max Linder in Wien.) Es gibt gegenwärtig zwei Mimen, deren Namen und Ansehen in der ganzen zivilisierten Welt bekannt sind, die in Transvaal und Texas die gleicher Popularität genießen. Ihr Ruf übertrifft den Sara Bernhardts, Irvings und Novellis, denn diese kennen bloß die gut und besser Situierten, während wir es im kleinsten Kino Neapels und Amsterdams ebenso wie im größten Brüssels und Berlins erlebten, daß ein “Ah!” der Freude durch die Reihen ging, wenn ein Film mit Asta Nielsen oder Max Linder angekündigt wurde. Dieser Max Linder nun absolviert gegenwärtig bei Ronacher ein leider nur kurzes Gastspiel, und es ist hochinteressant zu konstatieren, wie solch ein Filmsketch vor unseren Augen gestellt und gespielt wird. Zunächst tritt natürlich die eigentliche Domäne Linders in Aktion, das Kinobild. Wir sehen den Künstler in seiner Pariser Wohnung, wie er, von Ronacher angerufen, an die Verpflichtung seines Gastspiels erinnert wird, an das er vergessen. Dann beginnt die Hetzjagd des Toilettemachens, der Fahrt hierher, bei der Linder, aus allen möglichen Vehikeln geworfen, endlich einen Luftballon erwischt und abfährt. Ueber der Stadt angelangt, läßt er sich an einem Seil herab und – nun tritt die Wirklichkeit in Aktion – total zerfetzt und zerlumpt klettert der Künstler an einem Strick vom Schnürboden herunter, bittet das Publikum um Entschuldigung für Verspätung und Aussehen, und das eigentliche Stück beginnt. Es heißt: “Pedicure par amour” auf Deutsch “Hühneraugenoperateur aus Liebe” und schildert, wie der Liebhaber Linder, vom Gatten überrascht, schnell die Rolle des eben anwesenden Hühneraugenschneiders übernimmt und nun vom Gatten gezwungen wird, an ihm selbst die schmerzbefreiende Tätigkeit auszuüben. Wie der Verlegenheitskomiker par excellence das macht, das läßt sich nicht schildern. Das Publikum kommt während der ganzen Vorführung bis zu dem Moment, wo Linder kopfüber in den Souffleurkasten stürzt und sich vor dem eifersüchtigen Gatten auf den Platz des Dirigenten rettet und sofort mit Zylinder und Stock die Musik anzufeuern beginnt, nicht aus dem Lachen, und die Lachstürme erneuern sich nur noch heftiger, wenn bei der durch Beifall erzwungenen Wiederholung der letzten Szene Linder alles umdreht und nun selbst den Revolver ergreift, den der Gatte liegen ließ, und diesen in den Souffleurkasten jagt. Für die Beschreibung dieses Lacherfolges fehlen die Worte. Neben Linder wirken auch Mlle. Leonore vom Alhambratheater in London, die als dessen Partnerin auch den sogenannten Bärentanz mit Linder überaus graziös vorführt, und der “Gatte” Mr. Delson überaus verdienstlich mit. Das Publikum dankt dem jungen Direktor für das seltene Vergnügen, das er ihm verschafft, dadurch, daß es allabendlich die Räume des Hauses bis an die Decke füllt. Ein seltener, aber desto erfreulicherer Anblick in diesem eleganten Etablissement.

 

 

 

 

 

 

Neues Wiener Tagblatt, 20.11.1912:

 

 

    (Max Linder bei Ronacher.) Eine Persönlichkeit von internationalem Rufe; Der Pariser Kinoschauspieler Max Linder, gastiert gegenwärtig im Ronachertheater. Nicht auf der weißen Leinwand, sondern in eigener Person, und zwar in einem lustigen Kinosketch. Die Größe des neuen Schauspielergenres ist ein noch junger Mann von sympathischer Erscheinung mit lebhaften Gesten und ausdrucksvollem Gesicht; ein Salonclown von eleganter Beweglichkeit. Der Künstler kommt eben von einer Tournee durch Spanien und Portugal, wo er sich als Stierkämpfer kinematographisch aufnehmen ließ, wobei ihm seine ungewöhnliche Agilität besonders zustatten kam. Linder gehört übrigens zu den meistverhafteten Menschen der Welt. Bei den Verbrecherstücken nämlich, die er mimt, wird die Bühne in ein bekanntes Pariser Straßenviertel verlegt und der glänzende Kinoschauspieler wiederholt bei seinen komischen Fluchtversuchen, bei denen das Publikum häufig unbewusst mitspielt, von der Wache festgenommen, um natürlich bald darauf vom Kommissär in Ehren entlassen zu werden. Nun spielt Max Linder auf der wirklichen Bühne all die lustigen Schnurren, die man sonst nur auf der weißen Kinoleinwand zu sehen gewohnt ist. Der Sketch heißt „Pedicure par amour" und beginnt mit einem interessanten Wortspiel. Vor Beginn des Sketch tritt nämlich ein Mann vor den Vorhang und erklärt dem Publikum, das Stück könne leider nicht gespielt werden, weil Herr Linder nicht zu finden sei. Eine kurze Verlegenheitspause, dann kommt dem Akteur der rettende Gedanke, nach Paris zu telephonieren, um Linder zu bitten, sofort nach Wien zu fahren. Man sieht auf der weißen Leinwand, wie Linder in seinem Zimmer das telephonische Gespräch aufnimmt, und sich beeilt, dem Wiener Rufe Folge zu leisten. Im nächsten Augenblick jagt schon die Kinogroteske in lustigsten Episoden vorüber, deren Mittelpunkt immer Linder ist, der in seiner Hast und Eile, nach Wien zu kommen allerlei Unfug begeht, wobei ihm sein Frack in Fransen geht. Schließlich findet er in einem Luftballon Aufnahme und lässt sich über den Dächern der Stadt Wien an einem Seil herunter. Während dieser Kletterpartie hebt sich langsam der Kinovorhang, die Figur im Kinodrama wird lebendig und an einem Seil steigt auf die hellbeleuchtete Bühne herab - Linder selbst in derselben Kleidung, wie man ihn auf der Leinwand eben gesehen hat. Jubelnder Beifall empfängt ihn. Dann beginnt der eigentliche Sketch. Linder spielte den falschen Pediküre seiner angebeteten Freundin. Vom Ehemann überrascht, muß er, um die Geliebte nicht zu verraten, an ihm selbst eine Operation vornehmen. Das gibt natürlich Anlaß zu den verblüffendsten Situationsspäßen. In jeder Situation, ob Linder lacht, Grimassen schneidet oder heulend weint, mit einer Geste, einem Zucken der Brauen, entfesselt er stürmische Heiterkeit. Man kann sagen, dass während der halbstündigen Dauer des Sketch das Lachen, Schreien und Brüllen des Publikums fast keine Unterbrechung erfährt. Vorzüglich sind auch seine Partner, Mlle. Leonora, eine schöne Erscheinung mit lebhaftem Spiel, und Mr. Vardem [sic.]. Der Bärentanz, den Linder mit Fräulein Leonora mit unnachahmlicher Komik vorträgt, musste nach dem Fallen des Vorhangs nochmals wiederholt werden. Die glänzenden Leistungen Max Linders und seiner Gesellschaft tragen dem Sketch einen beispiellosen Erfolg ein.

 

 

 

 

 

 

Die Neue Zeitung, 21.11.1912:

 

 

   Ronacher-Theater.

   Max Linder.

   Der Pariser Kionoschauspieler Max Linder, welcher einen internationalen Ruf genießt, wurde für das Ronacher-Theater gewonnen und entfesselt allabendlich Stürme von Heiterkeit. Schon die kinematographische Darstellung seiner Berufung und Reise nach Wien, bei welcher er in seiner Hast und Eile die verschiedensten Widerwärtigkeiten zu besiegen hat und sich zum Schlusse aus einem Luftballon über den Dächern Wiens an einem Seile herunterläßt, enthält die lustigsten Situationen. In dem sich anschließenden eigentlichen Sketch "Die Liebes-Pedicure" spielt Linder den falschen Pedicure seiner verheirateten Freundin Durand. Da er vom Ehemanne seiner Angebeteten überrascht wird, muß er nun an Herrn Durand selbst eine Operation vornehmen, was wieder Anlaß zu den drolligsten Episoden bildet. Die unvergleichliche Darbietung des Meisters und seiner trefflichen Partner, Mlle. Leonora vom Alhambra-Theater in London und Mr. Vaudenne [sic.] vom Odeon-Theater in Paris, wird wohl in den nächsten Wochen die höchste Anziehungskraft ausüben.

 

 

 

 

 

 

Oesterreichischer Komet, 23.11.1912:

 

 

    Eine Attraktion des Hauses Pathé. Der Pariser Kinoschauspieler Max Linder, welcher einen internationalen Ruf geniesst, wurde für das Ronacher-Theater gewonnen und entfesselt allabendlich Stürme von Heiterkeit. Schon die kinematographische Darstellung seiner Berufung und Reise nach Wien, bei welcher er in seiner Hast und Eile die verschiedensten Widerwärtigkeiten zu besiegen hat und sich zum Schlusse aus einem Luftballon über den Dächern Wiens an einem Seile herunterlässt, enthält die lustigsten Situationen. In dem sich anschliessenden eigentlichen Sketch "Die Liebes-Pedicure" spielt Linder den falschen Pedicure seiner verheirateten Freundin Durand. Da er vom Ehemanne seiner Angebeteten überrascht wird, muss er nun an Herrn Durand selbst eine Operation vornehmen, was wieder Anlass zu den drolligsten Episoden bildet. Die unvergleichliche Darbietung des Meisters und seiner trefflichen Partner, Mlle. Leonora vom Alhambra-Theater in London und Mr. Vandenne vom Odeon-Theater in Paris, wird wohl in den nächsten Tagen die höchste Anziehungskraft ausüben. Die Linder-Films des Hauses Pathé, die einzig in seiner Art sind. haben sich also als ein Vorläufer des Originals dargestellt und diesen populär gemacht, ehe er noch in Wien persönlich bekannt war. Wieder ein Erfolg des Kinos.

 

 

 

 

 

 

Der Komet, 23.11.1912:

 

 

      Von "Ronacher" wäre noch anzumerken, daß ab 15. November Max Linder, der wirklich bekannte und mit Recht beliebte Kino-Darsteller, in einem Sketch auftritt. Nun haben wir die Mischung Kino-Variété. Vor einigen Tagen hat Linder vor dem Gebäude des Ronachertheaters einen neuen Film aufnehmen lassen, in dem er selbst agieren wird. Der Kinosketch, in dem der "liebende Max" auf unsere Lachmuskeln wirken soll, heißt Pédicure par amour (Liebes-Pedicure) und gefällt, da unser im Glauben an Theater- und Operetten-Klimbim stark erschüttertes Publikum alle Sympathien dem Kino zuwendet. b. [WIENER SCHNITZEL.]

 

 

 

 

 

 

Die Bombe, 24.11.1912:

 

 

    (Max Linder in Wien.) Das  Debüt  des  Filmkönigs  Max Linder, dieses  groteskesten  Komikers  der Welt, im Ronachertheater gestaltete sich bei ausverkauftem Hause zu einem geradezu sensationellen Ereignis. Nicht nur sein originelles Auftreten wurde mit minutenlangem Jubel begrüsst, noch mehr sein ausgezeichnetes Spiel im Vereine mit seiner Schauspielergesellschaft in dem eigens für ihn gedichteten komischen Sketch "Pedicure par amour" wurde anhaltend belacht und beklatscht. Der zum Schreien komische Bärentanz Max Linders mit Mlle. Leonore musste lange nach dem Fallen des Vorhanges und nach unzähligen Hervorrufen auf stürmisches Verlangen wiederholt werden. Auch das übrige Varietéprogramm findet einmütige Anerkennung.

 

 

 

 

 

 

Österreichs illustrierte Zeitung, 24.11.1912:

 

 

    Im Ronacher-Theater gastiert gegenwärtig Max Linder, der bekannte "Filmkönig", dessen Name fast keinem Stammgaste irgend eines Kinotheaters unbekannt sein dürfte. Erst kürzlich erzählten uns die hiesigen und die Berliner Tagesblätter von den Riesenhonoraren, die Max Linder durch die Darstellung fürs Kino verdient. Linder kam jetzt direkt von einer Tournee durch Spanien und Portugal, woselbst er sich als Stierkämpfer kinematographisch aufnehmen ließ, wobei ihm seine ungewöhnliche Agilität besonders zustatten kam. Im Ronacher-Theater tritt er nun nicht nur auf der Leinwand, sondern auch in Wirklichkeit, wenn man so sagen darf "leiblich-greifbar" auf. Zuerst wird in einer Filmreihe die Reise Linders nach Wien per Luftballon demonstriert. Dann tritt Linder in derselben Kleidung, in der man ihn auf der Leinwand eben im Luftballon auf einem Wiener Großstadtdache landen und an einem Seile zur Erde klettern sah, vor das beifallswütige Publikum. Linder spielt in dem Sketch "Pedicure par amour" den angeblichen Hühneraugenoperateur seiner Geliebten. Er ist der "Pedicure" der schönen Frau, um einen Grund zu seinen oftmaligen Besuchen vor dem mißtrauischen Ehemann zu haben. Der Sketch amüsierte sehr. Der "Grizzlytanz" Linders mit Frl. Leonora mußte sogar nach dem Fallen des Vorhanges noch einmal wiederholt werden.

 

 

 

 

 

 

Montags-Zeitung, 25.11.1912:

 

 

    Ronacher-Theater. Mit der Akquisition des Filmkönigs Max Linder hat die Direktion den Vogel der Saison abgeschossen. Wer kennt nicht Max, den beweglichsten, lustigsten, originellsten, nie um einen Ausweg aus der fatalsten Situation verlegenen Kinoschauspieler von diesem oder jenem Film her? Wir alle kennen ihn, bewundern seine Drolligkeit, seine Elastizität, seinen Wagemut. Die rührige Direktion des Herrn Max R. Steiner konnte deshalb in diesen kritischen Tagen nichts Gescheiteres tun, als uns Max Linder, wie er leibt und lebt in persona vorzuführen, was seitens des dankbaren Publikums allabendlich mit einem halbstündigen Lachsturm quittiert wird. Nennen wir aus dem reichhaltigen Programm noch Jonia, die faszinierend schöne Illusionistin, so genügt das, um Erklärung zu finden für das täglich übervolle Haus.

 

 

 

 

 

 

Das Interessante Blatt, 28.11.1912:

 

 

    Ronacher. Dem erstklassigen Programm dieses beliebten Varietés ist eine grandiöse Attraktion zugefügt worden. Max Linder, der Kinodarsteller par excellence, tritt leibhaftig im Sketch "Pedicure par amour" vor das Publikum. Sein Auftreten wird von einem dramatisch bewegten Film eingeleitet, der seine hindernisreiche Reise nach Wien bildlich vorführt. Linder kommt im Luftballon nach Wien, nimmt von dem Führer Abschied und klettert an einem Seile zur Erde. Der Film verschwindet und als Fortsetzung desselben kommt Linder aus der Bühnenhöhe auf das Podium herabgeklettert. Der anhaltende Beifall, den dieser originelle Bluff findet, begleitet sein ganzes Spiel. Der französische Text des Stückes ist ganz Nebensache, der eigentliche Inhalt der Szene. Ein Liebhaber wird bei seiner Angebeteten von dem betrogenen Ehemann überrascht und gibt sich als Pedicure aus. Der ahnungslose Ehemann läßt sich nun auch von dem Fußverschönerungskünstler behandeln und die Hühneraugen schneiden. In der Verzweiflung bearbeitet der Liebhaber den ihm anvertrauten Fuß mit allen möglichen Instrumenten. Sowohl Linder als auch sein Partner brachten die Komik der Situation überwältigend zum Ausdruck. Das treulose Weibchen wurde von Madame Durand vom Alhambratheater voll Anmut und Entfaltung reicher Toiletten gegeben. Das Publikum fand an der Szene so großes Amusement, daß es sogar eine Wiederholung einiger Stellen verlangte. Das übrige reichhaltige Programm bietet eine Fülle erstklassiger Produktionen.

 

 

 

 

 

 

Kinematographische Rundschau, 1.12.12:

 

 

    Max Linder in Wien. Max Linder, der brillante Komiker der Firma Pathé Frères, absolviert, wie schon ausführlich besprochen, derzeit in Wien im Ronacher - Theater ein Gastspiel. Diese Gelegenheit benutzte Max Linder, um sich einmal auch Wien gründlich anzusehen. Unter anderem erschien er dieser Tage im Hellos-Palast-Kinematographen-Theater (Direktion Fleischmann), um dort einer Wiener Kinovorstellung beizuwohnen. Während des Besuches Linders wurden die Films "Goldfieber", "Max im Wasser-Aeroplan" und ein Balkanfilm vorgeführt. Max Linder zeigte hierbei, daß er nicht nur ein ausgezeichneter Interpret der Kinokunst ist, sondern auch an der Kinematographie die größte Freude habe, denn mit lebhaftem Interesse folgte er der wohlgeleiteten Vorstellung bis zum Ende. Natürlich wurde Linder von den anwesenden Kino-Enthusiasten sofort erkannt und an Ort und Stelle bejubelt. Als Linder das Theater verließ, folgte ihm eine große Menschenmenge, die ihn bald so fest umzingelte, daß Direktor Fleischmann nur mit Mühe dem berühmten Künstler die geliebte Freiheit geben konnte. - Auch dem Elitekino (Kleine Bühne) stattete Max Linder einen Besuch ab und verblieb während der ganzen Dauer der Vorführung des vielbesprochenen Dramas "Menschen unter Menschen". Dem Eigentümer Herrn Rády-Maller gegenüber äußerte er sich in Worten höchster Anerkennung nicht nur über das Gebotene, sondern auch den musterhaften Einrichtungen spendete er volles Lob.