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Au secours!

Weitere Titel: Zu Hilfe (D)/ Maxens Wette (Ö)/ The haunted house (UK) - Regie: Abel Gance - Szenario: Abel Gance - Kamera: Georges Specht; Emile Pierre; André Reybas - Länge: 900m - s/w - Interpreten: Max Linder; Jean Toulot {Compte de l'Estocade}; Gina Palerme {Sylvette} - Produktion: Films Abel Gance - Vertrieb: Comptoir Ciné Location Gaumont - Drehzeit: ab 21. Juni 1923 (10 Tage - 3 Wochen)* - Sondervorführung: 17.6.24 (Paris/ Gaumont-Palace) - Auff.: 21. März 1924 (Prag/ Sanssouci) — Weitere Auff.: 2.5.24 (Wien/ Imperial-Kino); 1.2.25 (Berlin/ Theater am Nollendorfplatz); 19.11.35 (Paris/ Ciné-Club de Paris)

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Die Idee, dass einer die Wette eingeht, in einem Gespensterschloß mitternächtigem Geisterspuk Trotz bieten zu wollen, ist nicht neu. Wenn der Film, dem die Möglichkeit so vieler wirksamer Tricks zu Gebote steht, diesen Gedanken aufgreift, und einen Darsteller von den Qualitäten Max Linders mit der führenden Rolle betraut, könnte das Unternehmen immerhin außerordentlich lustig werden. In der ersten Viertelstunde sieht es denn im Geisterkastell auch wirklich so aus, als sollte es einen richtigen, tüchtigen Spaß dort geben. Sehr bald aber erlahmt die Phantasie des Regisseurs. Statt sich zu steigern, flauen die Einfälle kläglich ab und bleiben schließlich in einer Parade von Menagerieporträts und futuristischen Fratzenaufzügen ohne Sinn und Witz hilflos stecken. Max Linder tut sein Möglichstes, über die Humorlosigkeit seiner Aufgabe hinwegzutäuschen, doch gelingt ihm dies nur zum Teil. Wenn er einmal von einer der „Erscheinungen“ sagt, „wie auf der Grottenbahn!“, und zu einer anderen: „Kommst du aus dem Panoptikum oder aus Bräuschers Museum?“, so spricht er damit eine Wahrheit aus, die die gerechteste, erschöpfendste Kritik enthält: Wurstelprater! Wurstelprater – ohne Kinderlachen, ohne das Rauschen der alten Kastanienbäume, ohne die Ehrwürdigkeit seiner treuherzig-naiven Tradition. So darf der Film doch nicht kommen! Denn erst, wo der Wurstelprater zu Ende ist und seine Melodien verklingen, fängt das Kino an. ...  L-y K-y. (Neue Freie Presse, 2.5.1924)

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A l'Apollo, Max Linder dans «Au secours!» est bien resté le maître des acteurs comiques d'Europe. Aisé, spirituel, léger, le beau Max possède une mimique extraordinaire. Sur son visage, tour à tour, en peut lire la peur, l'insouciance, l'inquiétude, la joie. «Au secours!», d'une technique toute spéciale et originale, met bien en valeur le talent de Max Linder. D'un bout à l'autre de ce film, l'attention du spectateur est tenue en suspens. On se demande quelle aventure extraordinaire peut encore arriver au héros de l'histoire, qui vient d'en subir de variées et de terribles. Puis tout se termine par un éclat de rire général. (Feuille d'avis de Neuchâtel, 29.12.1924)

 

 

 

*Anmerkung/Note: Die Angaben über die Länge der Dreharbeiten reichen von 10 Tagen ("Commencé le jeudi 21 Juin, ce film est actuellement terminé ...", Le Petit Journal, 1.7.1923) bis zu 3 Wochen ("... terminé en trois semaines ...", Paris-soir, 10.10.1923).

Eine Kopie des Films wird verwahrt in: Archiva Nationala de Filme (Bucuresti), Cinémathèque Française (Paris), Pathé Television Archives (Paris), Cinemateket-Svenska Filminstitutet (Stockholm), Library of Congress (Washington), Museum of Modern Art (New York), bfi/National Film and Television Archive (London), Deutsche Kinemathek (Berlin), Filmmuseum (Amsterdam) Der Film wurde veröffentlicht auf DVD "Lucrecia Borgia" (-"-, 23:00) Ein Ausschnitt des Films ist enthalten in: L'homme au chapeau de soie (Dokumentation, 1983); Le Temps de Max (TV-Dokumentation, 2000)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Weitere Filmbeschreibungen/Kritiken:

 

Vier lustige Akte in denen Max Linder vier verschiedene Rollen spielt. Und wie spielt! Abel Gance als Regisseur und Gina Palerme unterstützen ihn. Im Klub wird über die seltsamen Ereignisse im Schlosse des Grafen Aleine Mauledl gesprochen, schauderhafte Spukgeschichten erzählt. Noch keiner hielt es dort aus, und wenn er noch so tapfer war, länger als bis vor Mitternacht dauerte die Tapferkeit nicht. Graf Mauledl wünscht, daß sich endlich der Kühne fände, der dem Spuk die Stirne böte und Max, der nach Absolvierung länglicher Flitterwochen just während dieser Unterhaltung zum erstenmal wieder im Klub auftaucht, wettet um 10.000 Francs, daß er sich nicht ins Bockshorn jagen lassen würde und nicht vor Mitternacht die elektrische Glocke berühren, die das Kastell mit der Außenwelt verbindet. Er fährt ins Kastell, erlebt die schrecklichsten Spukabenteuer — ohne seine Laune zu verlieren und ohne die Glocke zu berühren, obwohl er einige Male nähe dran ist. Aber fünf Minuten vor zwölf — er sieht sich schon als Gewinner — ertönt das Telephon — die Stimme seiner Frau in Todesangst — ein Kerl bedrängt sie — immer näher kommt er ihr — er faßt sie an — Max hört ihr Röcheln — und läutet verzweifelt um Hilfe, er muß weg — muß die Frau retten — und hört jetzt plötzlich ein Lachen — und die bekannte Stimme des Grafen Mauledl; — auch die Komödie mit seiner Frau, zu der er sich in der Verkleidung eingeschlichen, gehörte mit zu der verabredeten Komödie — eine Minute zu früh hatte Max in seinem Schreck geläutet, also die Wette verloren. Der Graf und Maxens Frau holen Max im Kastell ab, Max muß zahlen — denn die Gespenster — die Filmstatisten — warten auf ihr Geld und marschieren lachend ab — Max aber zahlt gerne, da seine Angst umsonst gewesen. (Der Filmbote, 23.2.1924)

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Max geht mit seinen Klubfreunden eine Wette ein, eine Nacht in einem Spukschlosse zu verbringen. Er kämpft tapfer gegen die erscheinenden Geistergestalten, verläßt aber in letzter Minute seinen Posten, als ihm seine Frau telephonisch von einem Überfall Mitteilung macht, dem letzten Triumph seiner Freunde, der ihn die Wette verlieren läßt. - Das Sujet ist vollständig auf Groteskkomik basierend und hat ein flottes Tempo, wie auch die Darstellung als gut anzusprechen ist. Aufmachung und Photos halten sich auf dem Durchschnitt. (Paimann's Filmlisten, 29.2.1924)

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Kitschig-vernünftig schließt auch die vorhergehende Groteske von Abel Gance “Zu Hilfe”. Der hervorragende französische Regisseur ist hier sonst nur mit “La roue” bekannt, einem in manchen Einzelheiten wunderbaren Film. “Zu Hilfe” mit Max Linder ist teilweise erstaunlich gekonnt, aber zu brutal im Sadistischen und in der Aufklärung. Die Geister, die Gance hier ruft, um jemanden durch Unheimliches zu quälen, wird er zu leicht wieder los, wenn er sie bei Tageslicht als Schauspieler demaskiert und ihnen ihre Gage auszahlen läßt. So billig darf man das nicht machen. Die Geister sind älter als der Desillusionismus. (Berliner Tageblatt, 8.2.1925)