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Der Film im Film

Regie: Friedrich Porges - Szenario: Friedrich Porges - Länge: 2420m - s/w - Interpreten: Henny Porten, Emil Jannings, Harry Liedtke, Asta Nielsen, Conrad Veidt, Erna Morena, Max Linder, Albert Bassermann, Charlie Chaplin, Ernst Deutsch, E. A. Dupont, Richard Eichberg, Alexander Girardi, Maria Jacobini, Werner Kahle, Werner Krauß, Fritz Lang, Thea von Harbou, Paul Leni, Lee Parry, Julius Pinschewer, Waldemar Psylander, Gennaro Righelli, Hanns Schwarz, Paul Ludwig Stein, Paul Wegener, Hanni Weisse, Robert Wiene - Produktion: Richard Hirschfeld GmbH - Sondervorführung: 30.4.24 (Wien/ Kosmos-Kino «Trade show») - UA: 7. Januar 1925 (Wien/ Urania) — Weitere Auff.: 26.6.25 (Berlin/ Richard-Oswald-Lichtspiele)

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"Der Film im Film" (Pressevorführung) gab uns einmal Gelegenheit, nicht nur fertige Bilder zu beurteilen, sondern auch einen intimeren Blick in die Werkstatt der Filmkünstler zu tun und zu sehen, was alles und wie alles geschieht, ehe eine solche Tat vollbracht ist. Es ist eine Art Schöpfungsgeschichte im Kleinen, obwohl sie nicht in 6 Tagen, sondern in langen Monaten, selbst Jahren vollbracht wird, und jeder dieser tüchtigen Regisseure mag ein gottähnliches Gefühl in sich haben, wenn er aus diesem Wust ungeordneten Materials eine Welt aufbaut, Wasser und Erde trennt, Himmel, Gestirne und Gebirge erstehen läßt. Wen wird es nicht interessieren, Künstler wie Henny Porten, Asta Nielsen, Morena, Jannings, Conradt Veidt, Max Linder und viele andere am Werke zu sehen, ebenso wie Fritz Lang, den genialen Regisseur der Nibelungen. Friedrich Porges, der Regisseur dieses ausgezeichneten, unterhaltenden und unterrichtenden Films, machte sich durch einen äußerst klaren, klugen und übersichtlichen Vortrag verdient, der so recht in den Geist der Materie einführt. J. (Die Filmwelt, Nr. 31 [~6.11.1924])

 

Zirkuskönig shooting

Behind the scenes of "Max, der Zirkuskönig"

 

 

Anmerkung: Wahrscheinlich läßt sich hier das Fragment, "Max Linder filmt 1922 in Wien am Rosenhügel" einordnen, dass Paolo Caneppele in "Max Linder Ein früher Star" von Thomas Kuchenbuch, (Maske und Kothurn, Heft 1-2, 2008) beschrieben hat. Da Max Linder in den deutschen Filmbesprechungen nicht erwähnt wird, muss man wohl davon ausgehen, dass er in der deutschen Fassung, die mehr als 200m kürzer als die österreichische (2420m) ist, nicht enthalten ist.― [Note: Probably here is where the fragment "Max Linder filmt 1922 in Wien am Rosenhügel" fits in, that Paolo Caneppele described in "Max Linder Ein früher Star" by Thomas Kuchenbuch (Maske und Kothurn, 1-2, 2008). Because Max Linder is not mentioned in German reviews, one has to assume, that he was cut from the German version, which is more than 200 metres shorter than the Austrian (2420m).]

Ein Fragment des Films (c380m, 'OHNE Linder') wird verwahrt in: Deutsche Kinemathek (Berlin)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Weitere Filmbeschreibungen/Kritiken:

 

Von einem ebenso verständnisvollen als verständnisverbreitenden Vortrag des Regisseurs Friedrich Porges eingeleitet, wurde dem äußerst gefesselten Publikum das ganze grandiose, überwältigend geschickte Schauspiel geboten, wie ein Film in technischer, künstlerischer, kulturhistorischer und gedankentiefer Hinsicht entsteht. Viele, die bisher das Gebotene als etwas ganz Selbstverständliches hinnahmen und sich niemals einen Gedanken darüber machten, mit welch schier unbesiegbaren Schwierigkeiten gekämpft werden muß, welche maßlose Summe von Energie, Arbeitsleistung und Genialität in solch einem lebenden Bilde steckt, werden nunmehr beschämt und bewundernd die vielen Faktoren in Betracht ziehen, die zu der Perfektionierung eines solchen Werkes beitragen. Allen voran, gleich einem erfahrenen Feldherrn, der Regisseur, der seine Künstler verstehen, beeinflussen muß, der seinem technischen Stab Führer sein muß und der eine schier unübersehbare Fülle von Kenntnissen, Spezialstudien besitzen muß, neben dem großen Blick für die Gesamtwirkung. Ohne den Schleier des Geheimnisses völlig zu lüften, der in mysteriöser Weise den Zauber des Dargebotenen erhöht, führt uns die kundige Hand des Regisseurs doch in manche Abteilung des Betriebes ein und wir genießen den Reiz, Zeuge des Entstehens vieler Bilder zu sein. Von besonderem Interesse ist es auch, die bedeutendsten Filmstare und Regisseure am Werke zu sehen, wie unter vielen andern Asta Nielsen, Henny Porten, Jannings, Veidt, Werner Kraus, Max Linder, den genialen Regisseur der Nibelungen Fritz Lang usw. Auch die kolossalen Fortschritte in der Photographie und Apparatur werden anschaulich dargelegt, kurzum, alles in allem eine ernste, neuartige, interessante Vorführung für ein ernstes Publikum, das gerne den Dingen etwas näher tritt, um ein richtiges Urteil zu gewinnen. (Kino Journal, 3.5.1924)

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Vor kurzem ist ein Filmwerk hergestellt worden mit dem Titel „Der Film im Film”. Das scheint anzudeuten wie weit die Entwicklung des Films vorgeschritten ist. Es gibt ein gewisses Stadium im Leben des menschlichen Geistes, in dem er die Formen und Gesetze, die er selbst konstruiert hat, als etwas ihm Fremdes empfindet, indem er auf sich selbst reflektiert, sich sozusagen als Gleichnis betrachtet. Das kommt so ungefähr, wenn es überhaupt eintritt, um das 70. Lebensjahr. Shakespeare brachte das Theater im Theater. Diese Tatsache bezeichnet den Punkt, den Shakespeare in der Geschichte des Dramas einnimmt. Heute tut etwas ähnliches Georg Kaiser in „Kolportage", was ebenfalls bezeichnend genug ist, wenn auch in anderem Sinne. Da beim Film alles schnell gehen muß, so verwundert man sich nicht, wenn er das, was woanders erst nach 70 Jahren erreicht wird, schon mit 25 Jahren schafft. Merkwürdig ist nur, daß der Blick hinter die Kulissen keineswegs eine dauernde Desillusion erzeugt wie man annehmen könnte. Im ersten Augenblick ist zwar der Eindruck furchtbar: Wir sehen Menschen, deren Augen eben noch voll freudiger Leidenschaft glühten, die den und den Helden verkörperten, sehnende Liebhaber spielten oder große Schurken, die in irgendeinem Lande oder irgendeinem Orte mit einem Namen (und mit was für einen Namen!) sich befanden, die in irgendeiner imaginären Zeit lebten und plötzlich gehen die Lichter aus ein Schrei hallt durch den Saal: ,,Holen Sie sofort Herrn Schulz her, er soll die Holzlatten festnageln." Die Kostüme haben mit einem Mal kein Leben mehr, die Schminke klebt als richtige Schminke an den fahlen Gesichtern. Das Leben ist tot, die Seele ist tot. Es ist keine Zeit mehr da, und kein Ort, und aus den herumfliegenden Gesprächsfetzen starrt die ganze Tragik der zerstörten Tragödie. „Nein, diese Fülle auf der Straßenbahn!" Meinst du. Gustav, daß wir Ueberstunden bekommen?" ... „Also, was diese Frau mir zusetzt!" . . . „So, Sie werden heute abend im Auto abgeholt?" . . . „Unerhörte Beleidigung!" Ausgeschlossen!" . . . „Eine Tasse Kaffee für den ersten Liebhaber!" Wie gesagt, es ist ein Wunder, daß die Illusion nicht dauernd zerstört wird. Und doch wird sie es nicht. Dieser Herr Müller, Herr Lehmann, diese Frau Soundso und Soundso werden sich im gegebenen Augenblick ihrer selbst entledigen, sie werden untergehen, um von dem Geist des Dichters, des Regisseurs zu neuem Leben zu erstehen. Auf eine Stunde fügen sie ihr Einzeldasein zusammen, um das Schicksal daraus entstehen zu lassen, das von dem Dichter gewollt ist. Ueberwältigender als die Rückkehr vom Schauspiel ins Leben ist der Aufstieg vom Leben ins Schauspiel. Man kann viel hinter den Kulissen sehen, man kann sich viel Illusionen beeinträchtigen lassen, aber man wird niemals aufhören, dieses Wunder zu bestaunen. (Filmland, Dez. 1924)

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“Der Film im Film" Dieser jüngste und wohl auch zugkräftigste aller Urania-Filme hat vor knapp einer Woche in Wien seine öffentliche Erstaufführung erlebt und den größten Beifall geerntet. Nun läuft er am kommenden Sonntag und Montag in der Linzer Urania, jedesmal um halb 6 Uhr und 8 Uhr abends. Sein Inhalt ist vor allem der heißersehnte Blick hinter die Kulissen; gleich ein Dutzend erklärter Filmlieblinge wie Henny Porten, Asta Nielsen, Thea von Harbou, Fritz Lang, Conrad Veidt, Albert Bassermann, Alexander Girardi, Waldemar Psylander, Werner Kahle, Charley Chaplin, Max Linder, Emil Jannings erscheinen während der "Arbeit" gefilmt, die Geheimnisse und Wunder der zeitgemäßen Filmtechnik, die verwickelten Einrichtungen der Aufnahmstätten, die ungeheure geistige und körperliche Arbeit vom Drehbuch bis zur Verkaufsbereitschaft, die so ein laufender Bildstreifen erfordert, alles das verrät uns der hochinteressante "Film im Film". Dazu kommt noch ein fesselnder Abriß der Entwicklungsgeschichte der Flimmerleinwand, den Ausschnitte aus Filmen der letzten 25 Jahre höchst treffend erläutern. Im übrigen geht es bei diesem Film wie bei allen Filmen: Worte vermögen kein richtiges Bild zu vermitteln, man muß hingehen und selber sehen, um sich ein Urteil zu bilden. ([Linzer] Tagblatt, 18.1.1925)

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“Der Film im Film" führt hinter die Kulissen des modernen Filmateliers und gibt in sechs Akten eine Vorstellung von den umfangreichen Arbeiten, die ein Film erfordert, bis er ins Theater gelangt. Alte und neue Tricks werden gezeigt: die Harmlosigkeit des Fassadenkletterers auf ebenem Boden, das Doppelspiel ein- und desselben Schauspielers in einer Szene, ein Sprung vom Sprungbrett durch Zeitlupe aufgenommen und andere Seltsamkeiten. Ulkig, wenn auch nicht sehr appetitlich ist die Szene zwischen dem Kellner und Gast der die hohe Zeche nicht bezahlen will und das verzehrte Mittagessen mit Bier wieder „herausgibt", indem der Film rückwärts gedreht wird. Henny Porten, Asta Nielsen, Liedke, Jannings, Krauß usw. werden bei der Arbeit gezeigt. Recht gut und dramatisch geschickt aufgebaut ist der Metro-Monumentalfilm „Das Findelkind". Nicht immer wurden Geschmacklosigkeiten vermieden, unerträglich ist die Szene im Großformat der bei der Geburt eines Kindes sterbenden jungen Frau und die Musterungsschau der adoptionslustigen Bürger der Stadt im Waisenhaus. In den Hauptrollen sind Bessie Love und Gareth Hughes mit Erfolg beschäftigt. (Hamburger Anzeiger, 4.2.1925)

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Gefilmtes Filmmuseum. In den Richard-Oswald-Lichtspielen wurde Porges „Film im Film" gezeigt, ein sehenswerter Kulturfilm. Diese Arbeit ist kulturell insofern, als sie das filmische Ergebnis zweier Jahrzehnte summiert, und die spezifischen Negativa und Positiva der Entwicklung gegeneinander ausspielt. Beispiel: wie hat sich Erna Morena 1912 geschminkt, wie macht man es heute; wie spielte Conrad Veidt vor fünfzehn Jahren „dämonisch", wie heute: sehr wesentliche und manchmal sehr lustige Dinge. Dennoch sind die Fortschritte des Films, besonders die der letzten Jahre, nicht sehr groß, gerade der deutsche Film hat sich keineswegs typisiert, der „Caligari" Karl Mayers hat viel mehr Stil als unsere neuen Erzeugnisse. Außerdem ist leider die Entwicklung Amerikas auf diesem Gebiet nicht ersichtlich. Berlin scheint außerhalb der Filmwelt zu liegen. (Berliner Tageblatt, 12.7.1925)