Max Linder

 

 

    Max Linder war der erste Filmschauspieler, der dem Publikum mit Namen bekannt wurde. Was vorher auf der Leinwand erschien, waren anonyme Gestalten und Spaßmacher. Max Linder zeigte zum ersten Male eine bestimmte Physiognomie, eine vollendete Grazie der Bewegungen und einen individuellen Humor. Gleich nach Linder erschienen dann die Kopenhagener Schauspieler mit Asta Nielsen. Der Beruf des Filmkünstlers war geschaffen.

    Schon mit 17 Jahren erschien Linder auf dem Theater in seiner Heimatstadt Bordeaux. Er spielte komische und klassische Rollen, da er danach strebte zur Konkurrenz des Pariser Konservatoriums zugelassen zu werden. Diese Hoffnung erfüllte sich nicht. Max Linder fand Engagement im Théâtre de l'Ambigu. Von dort ging er zum Varieté über, dann im Jahre 1905 gab ihm sein Freund  P a t h é  Gelegenheit, im Film zu debutieren. Hier kam gleich der Erfolg. "Der erste Ausgang eines Institutsschülers", "Die erste Zigarre" waren die ersten Max-Linder-Filme, die sofort populär wurden. Er hatte bald darauf Gelegenheit im Auslande zu sehen, was für einen Weltruf er besaß: in Barcelona, wo er mit Frl. Napierkowska in einem Sketch spielte, und im Wintergarten in Berlin, wo er ebenfalls in einem Sketch auftrat. Nun hatte er bei Pathé eine gut dotierte Stellung, und die Reihe seiner Filme mehrte sich so sehr, daß man sie nicht aufzählen kann. Viele dieser alten Filme laufen noch immer.

    Max Linder nahm als französischer Offizier am Weltkrieg teil und wurde mehrere Male verwundet. Dann erhielt er eine Aufforderung, nach Amerika zu kommen, die er annahm. Er machte die Filme "Max geht nach Amerika", "Max will sich scheiden lassen", "Max und sein Taxi". Krank kam er nach Frankreich zurück, und erst nach langer Pause sah man ihn wieder auf der Leinwand in dem "Kleinen Café", einer Bearbeitung von Tristan Bernards Theaterstück. Nochmals reiste er dann nach Amerika und trat auf in den Filmen "Sieben Jahre Unglück", "Sei meine Frau" und "L'Etroit Mousquetaire".

    Wieder kam er leidend nach Frankreich zurück, wieder mußte er Monate lang ruhen, dann produzierte er zusammen mit der Vita in Wien den "Zirkuskönig". In den letzten Monaten hatte er mit dem neuen Film "Barkas, der Narr" begonnen, den er trotz seiner schwachen Gesundheit weiterführte.

    Linder war, nach seinem Bilde auf der Leinwand zu urteilen, immer ein kranker Mann. Nur seine ersten Filme, vor dem Weltkrieg, zeigen ihn als normal gesunden lustigen jungen Mann. (Film-Kurier, 3.11.1925)