Max Linder, Frankreichs grosser Film-Humorist, macht Seitensprünge. Er war in Amerika, ob er noch dort ist, wissen wir nicht, indes haben wir diese Neuigkeit unserem Leserkreis noch nicht aufgetischt. Mag er nun noch dort sein oder nicht, kurz und gut, er war im Dezember dort. Echt amerikanisch ist, dass er in zwei Wochen 112mal interviewt und 300mal photographiert wurde. Wenn wir auch an diesen Sensations-Ziffern etwas abstreichen, von seinem Talent können wir nichts abstreichen, wie er auch immer stets der elegante, todschicke, immer galante Max Linder sein wird. Der – ein genialer Reklametrick – schon einmal tot gesagte Max Linder hielt oder hält sich in Chicago auf, wo er in den weltberühmten “Ateliers Essanay” Gelegenheit hatte, mit den allergrössten amerikanischen Filmkapazitäten zusammenzukommen und, was seinem liebenswürdigen, gewinnenden Wesen vielleicht noch mehr Bedeutung gibt, mit den hübschesten Amerikanerinnen, deren enthusiastischer Bewunderer er ist. Die Amerikanerinnen – so behauptet Max Linder – eigneten sich zu seinen Partnerinnen übrigens viel besser, wie die Europäerinnen, da sie mit ihrem natürlichen, übersprudelnden Humor sich weit schneller in alle tollkühnen Burlesken hineinfänden. Mag sein, aber eine Dorrit Weixler hätte er als Partnerin sicher nicht verschmäht, wäre der Krieg – und bei letzterer der plötzliche Tod – nicht dazwischen gekommen. Vielleicht hätte er einmal Gelegenheit gehabt, sie in St. Moritz zu treffen, denn bekanntlich hatte er dort für Pathé frères ein lustiges Wintersport-Stücken kurbeln lassen, “Max Linder in der Schweiz”, das wir bei Speck sahen. (Kinema, 5.5.1917)