Max Linder todkrank?

 

 

   Max Linder, an dessen Kinowerken die deutsche Filmwelt trotz des Krieges eine heitere Erinnerung bewahrt hat, war beim Beginn der Kämpfte fälschlich totgesagt worden. Der Volksglaube, dass das längeres Leben verheisst, scheint sich in diesem Falle nicht zu bestätigen, denn schwedische Blätter melden jetzt folgendes: Max Linder ist im Anfange des Weltkrieges schwer verwundet worden; nach seiner Genesung ergab die Untersuchung, dass er für den weiteren Heeresdienst ungeeignet sei, woraus auf seinen wirklich schlechten Gesundheitszustand zu schliessen war, und so machte er sich nach Amerika auf, um dort als Filmschauspieler ein noch grösseres Gehalt einzustreichen als in der Heimat. Aus der langen Filmreige, für die er sich einer amerikanischen Filmfabrik verpflichtet hatte, wurde jedoch nicht viel; an zwei Aufnahmen konnte er mitwirken, dann brach ein schweres Brustleiden bei ihm aus, das ihn zwang, jeder Tätigkeit zu entsagen und in dem milden Klima Kaliforniens Heilung zu suchen. Jedoch auch der Himmel Kaliforniens vermochte den totkranken Mann nicht zu retten; die Aerzte erklärten ihm schliesslich offen, dass er nur noch wenige Monate zu leben hätte, und so entschloss er sich, nach Frankreich zurückzukehren. Gegenwärtig – die schwedische Meldung stammt aus dem letzten Oktoberdrittel – soll er sich an Bord eines Dampfers auf der Fahrt nach Frankreich befinden, und die früheren Verehrer seiner Filmkunst werden verfolgen mit Bedauern sein Schicksal. (Wiener Allgemeine Zeitung, 3.11.1917)