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Kiew - 24. Dez. 1913 - "Tsirk" [D] <<<

Odessa - 31. Dez. 1913 – 4. Jan. 1914 - "Gorodskom Teatre" [D]

 







Odessaer Zeitung, 31.12.1913? [russ.Kal.:18.12.13]?:

 

 

  - Wie Max Linder in Odessa angekommen ist. Am 18. Dezember beginnt Max Linder, dessen "zwerchfellerschütternde" Mätzchen und lustige Possenreißereien den Besuchern der Illusionstheater in der ganzen Welt bekannt sind, ein auf drei Abende berechnetes Gastspiel bei riesigen, um das Dreifache erhöhten Preisen im - Stadttheater. Wir wollen die sehr naheliegende Frage nicht erörtern, ob das Stadttheater, woselbst die hervorragendsten Künstler der Welt aufgetreten sind, und gegenwärtig Wagners Musikdramen gepflegt werden, der geeignete Ort ist für eine "Kunstbetätigung," wie sie von Max Linder geboten wird. Hier sei nur von einem wirklich artigen und lustigen Reklamestückchen in amerikanischer Manier erzählt, daß sozusagen als Vorspiel zu dem bevorstehenden Gastspiel bei uns in Szene gesetzt worden.

    Auf dem Passagierbahnhofe und in der Umgebung desselben hatte sich am Sonntag früh eine ziemlich große Volksmenge eingefunden, um Max Linder zu empfangen, der, Zeitungsmeldungen zufolge, aus Kijew eintreffen sollte. Der Kijewer Zug traf fahrplanmäßig ein, aber wer nicht da war, das war Max Linder. Anstatt seiner traf sein Vertreter ein, der die erschütternde Hiobspost brachte, sein Patron werde erst am Dienstag unsere Stadt mit seinem Besuch beglücken. Um eine süße Hoffnung ärmer begann das so enttäuschte Publikum sich langsam zu zerstreuen. Aber gleich darauf verbreitete sich das Gerücht, Max Linder werde um 12 1/2 Uhr mittags, mit dem Kischinewer Zuge eintreffen. Flugs war wieder eine große Menge auf dem Bahnhof versammelt. Und diesmal sollte sie des Glückes, den König der Kinematographen von Angesicht zu Angesicht zu sehen, tatsächlich teilhaftig werden. Max Linder entstieg, sich huldreich nach allen Seiten verneigend, seinem Wagen erster Klasse und begab sich, in Begleitung der Direktion und des Künstlerpersonals der Theaters "Miniatures" zum bereitstehenden Automobil, um stets von einer Menschenmenge umgeben, in's Stadttheater zu fahren. Er würdigte das Theater einer Besichtigung und gab durch ein nicht mißzuverstehendes Minenspiel sein lebhaftes Mißfallen zu erkennen. Vom Stadttheater fuhr Max Linder nach dem obenerwähnten Theater "Miniatures". Hier, beim Eingang, wurde dem Gefeierten eine kleine Huldigung bereitet: man überreichte ihm Blumen und trug ihn auf Händen in das Theater. Und hier erst erhielt das Publikum der Linder-Enthusiasten eine furchtbare, eine niederschmetternde Aufklärung: es war gar nicht Max Linder, sondern ein Mitglied des Theaters "Miniatures" hatte, als Max Linder verkleidet, dessen Rolle gespielt. Man kann sich denken, mit welchem Halloh die "Enthüllung" aufgenommen wurde...