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Pour sa Patrie

Szenario: Marquis de Castellane — Länge: 5 Akte — Interpreten: MM. Castillan (Napoléon); Jean Liézer (Magot); Synès (Anastase Walenska); Grey (Poniatowski); Champdor (Bidoux); Brenner (Duroc); Max Linder (l'abbé-de Pradt); Dervet (Lazare Botman); Bénard (Roustan); Emile André (Massalocki); Le Roux (Potocki); Harry (Bréza); Paul Garbagni (un chanteur); Charmy (Ojarowski); Laemmenhirt (Premier camelot); Talny (Dombowsky); Lebrasseur (Deuxième camelot); Hedelin (Bassano); Raphaël (Un ouvrier); Pépin (Un jeune homme); Larive (Premier officier); Reynaud (Deuxième officier); Gilbert (Caulaincourt); Berlot (Kracinski); Leufroy (Zubienski); Morel (Général Petit); Adrien (Brig. de gendarmerie); Richet (un juif); Gaudens (un vieux); Rambert (un gendarme); Letot (un invalide) — Mme. Jane Rabuteau (Marie Walenska); Louise Dauville (Madame Lecot); Verlain (Jeanne Obolinska); Victorin (une vieille); Adrienne Dherblay (Marceline); Andrée Divonne (Louise); Delcy (Une femme); Walmy (Marie); Turpeau (Une vielle femme); Martiny (Emma Subinska); Léda (une jeune fille) — [ACTES: 1. A Bronic. — 2. Pour sa Patrie. — 3. Le Sacrifice. — 4. France et Pologne. — 5. Les Adieux de Fontainebleau.] — Premiere: 2. März 1906 (Paris/Théâtre de l'Ambigu) — 6 Vorstellungen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Beschreibung/Kritik:

 

Ein Liebesroman Napoleons I. auf der Bühne. Die Zahl der Theaterstücke, in deren Mittelpunkt die Figur des großen korsischen Imperators steht, ist, wie man uns aus Paris schreibt, jetzt durch ein neues vermehrt worden. Aber es muß gleich hinzugefügt werden, daß diese Vermehrung für die dramatische Literatur keine Bereicherung bedeutet. Es ist vielmehr ein böses Dilettantenstück, das an einigen Tagen allabendlich über die Bretter des Theaters des Ambigu-Comique geht, — dieser Bühne, die zwar im Herzen von Paris liegt, ihrem Publikum aber eine melodramatische Kost vorzusetzen pflegt, wie man sie sonst nur in Vorstadt-Theatern erhält. Das Stück heißt: „Pour sa patrie!" (“Für ihr Vaterland!"), es hat fünf Akte und bei der Premiere saß in den Logen des solchen Glanzes sonst ungewohnten Ambigu die vornehmste Welt von Paris, Kavaliere in tadellosen Frackanzügen und schöne Damen in den elegantesten Abendtoiletten. Der Verfasser von „Pour sa Patrie!” ist nämlich der Marquis de Castellane, ein naher Verwandter jenes Grafen Boni de Castellane, dessen Ehescheidungsprozeß zur Stunde so unliebsames Aufsehen erregt. Der Marquis hat sich aus dem Leben Napoleons eine Episode gewählt, die unter den Händen eines echten Dichters künstlerischer Gestaltung wohl fähig gewesen wäre, nämlich das Liebesverhältnis des Kaisers zu der schönen polnischen Gräfin Marie Walewska, unter seinen zahlreichen Liaisons wohl die einzige, die eine Art poetischen Hauches verklärt. Marie Walewska. die an einen viel älteren und ungeliebten Mann verheiratet war, wurde in die Arme des Kaisers hauptsächlich durch die Vorstellungen ihrer Freunde und Landsleute getrieben, die von Napoleon die Wiederherstellung Polens erhofften und ihn deshalb unter den Einfluß einer polnischen Frau bringen wollten. Sowie sie daher bemerkten, daß der Kaiser auf die Gräfin Walewska sein Auge geworfen hatte, bestürmten sie diese, ihm zu Willen zu sein, ja, sie erklärten ihr, sie würde einen Verrat an ihrem Vaterlande begehen, wenn sie ihm Widerstand leistete. Aber Marie war nicht die Frau, einen Napoleon unter ihr Joch zu beugen, noch ihn für immer an sich zu fesseln. Sie schenkte ihm dann einen Sohn, der später, unter dem zweiten Kaiserreiche, Minister seines Vetters Napoleons III. war und für den sein kaiserlicher Vater noch in seinem Testamente großmütig sorgte. Der Marquis de Castellane läßt sein Drama in dem Augenblicke ausklingen, da der gestürzte, entthronte Kaiser in Fontainebleau von seinen Getreuen Abschied nimmt, und er läßt hier Marie Walewska plötzlich erscheinen und ihm Trost zusprechen. Dieser Schlußszene liegt insofern etwas Wahres zugrunde, als Marie Walewska sich in der Tat in Fontainebleau einfand. Sie wartete eine ganze Nacht hindurch im Vorzimmer des Kaisers darauf, zu ihm gelassen zu werden. Aber erst eine Stunde, nachdem sie fort war, fragte er nach ihr. Als er hörte, sie sei gegangen, sagte er: „Arme Frau! Sie wird sich vergessen glauben." Marie besuchte den Kaiser dann in Elba, wo sie einen Tag bei ihm zubrachte, und sie war unter den ersten, die sich in Paris einfanden, als er dorthin zurückgekehrt war und noch einmal hundert Tage lang die Welt in Schrecken setzte. Aber nachdem seine Herrschaft abermals zusammengebrochen und er auf dem Felseneiland von St. Helena ewiger Gefangenschaft anheimgefallen war, strich Marie Walewska die Erinnerungan ihn aus ihrem Leben und vermählte sich 1816 mit dem General Grafen d'Ornano, einem der glänzendsten Offiziere der großen Armee. Die Nachricht hiervon soll Napoleon tief erregt haben. „Es lag", so schreibt einer seiner Gefährten von St. Helena, „nicht in seiner Natur, sich vorzustellen, daß eine Frau, die er geliebt hatte, je einen anderen Mann lieben könnte." Marie sollte sich ihres neuen Glückes nicht lange erfreuen. Sie starb schon nach einem Jahre im Wochenbett. Ihre Zeitgenossen sind einig darin, ihr stilles, sanftes und schwärmerisches Wesen zu rühmen. Der heroische Charakter, den der Marquis de Castellane aus ihr gemacht hat, war sie ebensowenig, wie sie sich für ihr Vaterland aufgeopfert haben würde, hätte nicht auch ihr Herz sie zu dem Manne hingezogen, dem dieses Opfer gelten sollte. (Hamburgischer Correspondent, 10.3.1906)

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Le 2 mars, l'intéressant drame de M. Arquillière faisait place à une pièce en cinq actes de M. le marquis de Castellane, intitulée Pour sa patrie. — M. de Castellane fit déjà représenter au Théâtre Sarah-Bernhardt un acte historique, le Festin de la mort, où il eut l'honneur d'être interprété par notre grande tragédienne. Cet acte se passait à l'époque de la Terreur, à la prison «Lazare». On y voyait M. et Mme Maujourdain, à la minute même où on les appelait à la guillotine, pris de fou rire en voyant entrer un prisonnier ridicule, en caleçon, un bougeoir à la main, le bonnet de coton sur l'oreille... Ce rire malencontreux semble avoir poursuivi M. de Cas tel la ne jusqu'à l'Ambigu, où le public écouta trop joyeusement les tristes aventures de Marie Walenska dont l'amour touchant et pur accompagna Napoléon jusqu'à Sainte-Hélène. La formule du drame historique exige une habileté, un tact que l'auteur de Pour sa patrie! ignore totalement. Il ne suffit pas de récolter les mots ou les citations dans les mémoires du temps, il faut savoir les accommoder aux exigences de la scène. C'est pourquoi ce drame, plein d'efforts et de bonne volonté, a paru simplement enfantin. Nous avons applaudi à un beau décor: Varsovie sous la neige; nous fûmes émus comme il convient à la scène classique des adieux de Fontainebleau, mais la figure de l'empereur nous est apparue diminuée... Maintes répliques, quelque peu malheureuses, ont fait sourire, et M. le marquis de Castellane pourra méditer sur le jugement cruel et définitif des foules: sa tentative n'aura pas été ainsi inutile. La pièce fut noblement défendue: par M. Castillan qui, ayant derrière lui l'empereur de la Belle Marseillaise, sut se faire écouter; par Mlle Rabuteau, consciencieuse sans grand éclat; par Mlle Louise Dauville, adroite et imposante; par MM. Liézer, Synès, Grey, Bénard qui jouait le rôle délicat de Roustan. Et, pris de court avec l'insuccès de Pour sa patrie, M. Grisier montait en quelques jours le Tour du monde d'un enfant de Paris de M. E. Morel (9 mars), où M. Villa se montrait impayable de fantaisie et de gaieté. (Les annales du théâtre, 1907)